Bauchtanz Auskunft Sibel Nefa
 

Bauchtanz Tipps & Tricks

Unterrichts & Auftrittskleidung

Im Unterricht

Unterrichtskleidung für Schülerinnen

Grundsätzlich ist man relativ frei in der Wahl der Unterrichtskleidung. Vor allem soll man sich darin wohlfühlen, es soll nichts zwicken oder einengen. Ob das dann Leggings, weite Hose oder Rock sei, der Bauch bedeckt ist oder nicht, ist nicht so wichtig.

Das einzige MUSS: Ein Hüfttuch oder -gürtel, um die Bewegungen zu betonen und auch, um das richtige Gefühl für den Tanz zu bekommen. Ein einfaches Tuch reicht eigentlich schon, es sind natürlich auch reich verzierte im Handel. Manche Lehrerinnen mögen keine Tücher mit Münzen dran - bei vielen Schülerinnen kann das Geklimper schon recht laut werden.

Unterrichtskleidung für Lehrerinnen

Möglichst nichts allzu Weites. Die Kleidung sollte die Bewegungen nicht verdecken, darum sind auch lange, blickdichte Röcke nicht zu empfehlen. Leggings wären ideal.

Auftrittskostüme

Raks Sharki

Hier entscheidet vor allem der persönliche Geschmack. Die Auswahl an gebotenen Formen und Farben ist enorm. Es gibt ein- und zweiteilige Kostüme. Hier eine kleine Übersicht:

Der Raks Sharki ist ein Bühnentanz, quasi die hochstilisierte Fassung des Baladi. Entsprechend wurden auch die Kostüme angepasst. Als Badia Masnaby in den 30er Jahren ihr Casino eröffnete, adaptierte sie nicht nur den Tanz für die Bühne, sondern auch die Kostüme und es entstand der Zweiteiler, also BH und Gürtel mit Rock, der den Bauch freilässt. Evtl. wurde diese Form inspiriert vom Kostüm der Ghawazi, das aus einem Rock und einer kurzen Weste bestand, unter der ein anliegendes, langärmliges Oberteil getragen wurde.

Auf ägyptischen Filmaufnahmen aus den 40er und 50er Jahren sieht man, dass BH und Gürtel noch relativ einfach waren. Sie wurden aus glänzendem Material ohne viel Verzierung gefertigt. Oft wurden Perlfransen in Bogenform angebracht. Die weiten Röcke dazu waren meist bis zum Gürtel geschlitzt. Hingegen musste schon damals der Bauchnabel bedeckt werden, was z.B. mit einem Spitzenband zwischen BH und Gürtel gemacht wurde. Dazu wurden die Haare bis Schulterlänge getragen.

Im Laufe der Jahre durchliefen die Kostüme verschiedene Modeströmungen. In Ägypten beeinflusste auch die Gesetzgebung die Gestaltung der Kostüme. Die Schlitze dürfen nicht zu hoch sein, der Bauch muss bedeckt werden und sei es nur mit einem durchsichtigen, fleischfarbenen Netz.

In anderen arabischen Ländern sind die Tänzerinnen freier in der Kostümwahl. In der Türkei und im Libanon z.B. werden weiterhin hochgeschlitzte Röcke getragen. Wobei manchmal versucht wird, fehlendes Talent durch fehlende Textilien auszugleichen...

In letzter Zeit gab es einen Trend weg von Perlfransen - wodurch die Kostüme nicht unbedingt schlichter wurden, da umso mehr Strass aufgetragen wurde. Wer in einem Kostüm ohne Fransen tanzt, vor allem wenn es ein einteiliges ist, muss beachten, dass die Hüftbewegungen viel betonter ausgeführt werden müssen, da ja nichts mitschüttelt. Außerdem werden diese Kostüme wohl vom "Fachpublikum" geschätzt, aber Otto Normalzuschauer wird davon eher enttäuscht sein, da er nun mal einen Zweiteiler erwartet.

"Ein- oder Zweiteilig?"

Bei den Gürtelformen wird grob unterschieden zwischen der ägyptischen Form (vorne schmal, hinten breit) und der türkischen Form (seitlich schmal, vorne und hinten in der Mitte jeweils spitz auslaufend). Daneben gibt es auch asymmetrische Formen.

Zu den verschiedenen Oberteilen gehören neben BHs auch Blusen oder Boleros. Die Träger am BH sollten nicht zu lang sein, damit der Busen nicht zu weit unten hängt. Außerdem streckt ein hoch getragener BH die Taille. Wer einen kleinen Busen hat, wird evtl. die angebotenen BH-Größen nicht ausfüllen. Da es nicht schön aussieht, wenn in der Schale noch "Luft" ist, kann man sich mit Pölsterchen helfen. Diese evtl. fixieren, damit sie nicht verrutschen. Schaumstoffpölsterchen haben auch den Vorteil, dass sie den Schweiß aufsaugen und ausgewaschen werden können. Frauen mit großem Busen sollten sich bewusst sein, dass ein tiefes Dekolletee die Blicke von der Hüfte ablenkt. Sie sollten diesen Bereich evtl. etwas mehr bedecken. Der BH muss auch wirklich gut sitzen, damit er nicht zu sehr rumwackelt.

Im Zweifelsfalle ist es für alle Größen immer ratsam, halt auf ein schönes Kostüm zu verzichten, wenn der BH nicht passt. Denn wer dauernd daran denken muss, dass nichts verrutscht, kann nicht entspannt tanzen.

Bei Teilen mit Ärmeln muss auf genügend Bewegungsfreiheit beim Heben der Arme geachtet werden - sonst zieht man das ganze Oberteil mit... Ägyptische Kostüme mit Ärmeln haben Löcher in den Achselhöhlen, einerseits für die erwähnte Bewegungsfreiheit, andererseits, weil Kostüme ja nur schlecht gewaschen werden können und so der meistverschwitzte Teil frei bleibt.

Kostüme reinigen

Die Rockformen sind sehr vielfältig. Weite Tellerröcke fliegen bei Drehungen schön. Vor allem in Ägypten beliebt sind schmale, gerade Röcke mit einem Schlitz. Es gibt auch Zipfelröcke, die aus vielen einzelnen Stoffteilen zusammengesetzt sind. Einige Libanesinnen stehen auf Shorts, an denen Chiffonstreifen befestigt sind. Auch eine eher umstrittene Minirockmode zog schon durch Ägypten und die benachbarten Länder.

Haremshosen werden entweder weit oder auch als Zipfel-Version angeboten. Sie eignen sich gut, wenn man z.B. auf einer sehr hohen Bühne tanzt und dem Publikum trotzdem keinen Blick auf die Unterwäsche geben will. Auch bei Bodentanz sind sie praktisch, da nicht wie bei einem Rock die Gefahr besteht, dass man beim Aufstehen drauftritt oder dass allzu viel Stoff verrutscht.

Einteilige Kostüme hören sich zwar "anständiger" an, einige Designer schneiden aber mittlerweile schon so viele Löcher hinein (z.T. an cellulitis-unfreundlichen Stellen), dass diese manchmal fast noch offenherziger sind als zweiteilige. Ansonsten können aber auch sie sehr kleidsam sein und mit oder ohne Gürtel getragen werden.

Neben den bisher genannten grundsätzlichen Elementen, gibt es natürlich einige Accessoires, die passend zum Kostüm getragen werden. Bei vielen professionellen Kostümen werden diese auch mitgeliefert. Stirnbänder: Nicht alle mögen sie, je nach Kopfform und Frisur können sie aber hübsch aussehen - und die Haare effizient aus dem Gesicht halten.
Handschmuck für eine oder beide Hände: entweder aus dem gleichen Material wie Gürtel + BH oder aus Münzen.
Armstulpen: Sie können ein Kostüm sehr schön ergänzen, gerade wenn man sich nicht ganz so "nackt" fühlen will. Damit Stoffstulpen nicht rutschen, kann man oben auf der Innenseite Gummis einnähen, wie sie auch für halterlose Strümpfe gebraucht werden (z.B. bei alten Strümpfen abschneiden). Ebenfalls beliebt sind gehäkelte Stulpen. Diese lassen sich auch selber herstellen.

Folklore

Bei Folkloretänzen sollte man sich möglichst an's Original halten. Dabei hilft es sich vorzustellen, dass sich die Frauen auf dem Land nicht extra zum tanzen umziehen. Was man gerade trägt, darin wird getanzt - gerade z.B. bei Korb- oder Krugtanz, die sich aus täglichen Verrichtungen entwickelt haben. Die Folklorekostüme stützen sich also auf die Alltagskleidung der entsprechenden Gegend. Für die Bühne dürfen natürlich die Stoffe edler und die Farben etwas bunter sein.

Der Bauch ist bei allen Folkloretänzen immer bedeckt.

Artikel von Havva über Folklore und Kostüme in der Halima 01/2000