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Shamadan oder Leuchter Tanz (Raqs Shamadan)

Der Leuchter(tanz). Ein Baladi-Tanz. Die Tänzerin trägt auf dem Kopf einen Leuchter und führt damit die Hochzeitsprozession an. Gerne auch mit Zimbeln.
Wird heutzutage gerne für dramatische/artistische Einlagen verwendet.

Die Ursprünge des Leuchtertanzes liegen ziemlich im Dunkeln und wir sind eher auf Vermutungen angewiesen.

Auf alten Miniaturmalereien aus Persien sind Frauen zu sehen, die eine kleine Kerze auf dem Kopf balancieren, außerdem wissen wir, dass zu pharaonischer Zeit es üblich war, bei religiösen Zeremonien Lichter zu benutzen.
Susan Grove Hess schreibt in ihrem Artikel "Come On Baby, Light My Fire!" daß Mahmoud Reda berichtet, der Leuchtertanz wäre von türkischen Hoftänzerinnen des Ottomanischen Reiches nach Ägypten gebracht worden, wo er ja auch hauptsächlich getanzt wird.
Anmerkung: Es ist ein Folkloretanz aus Ost-Anatolien. Die Vermählten (in diesem Fall die Tänzer) halten eine Kerze in der Hand und tanzen. Es ist die alte glaube an den Gott des Feuers. Das Feuer bedeutet das Heim, die Sesshaftigkeit. (Aus der Zeit als sie noch Nomaden waren).
Wie dem auch sei, jedenfalls ist der Tanz mit dem Leuchter schon sehr sehr alt und aus der ägyptischen Folklore nicht wegzudenken.

Früher hatte der Leuchter kein Kopfband, er wurde so balanciert. Demzufolge brauchten die Tänzerinnen Jahre, um damit perfekt umgehen zu können. Susan Grove Hess schreibt, dass inzwischen nur noch eine ägyptische Tänzerin mit einem solchen Leuchter tanzt - und zwar Mahassen, 1995 während des "Festival of the Nile" in Amerika. Der Leuchter wog übrigens ca. 15 kg.

Eine der heute bekanntesten Tänzerinnen, die man mit Leuchtertanz in Verbindung bringt, ist Nazla Al Adl, die 1996 weit über 70-jährig verstarb. Ihre Leuchter waren sehr schwer und sie war diejenige, zu der viele, später bekanntgewordene, Tänzerinnen gingen, um den Tanz mit dem Shamadan zu erlernen.

Der Leuchter spielte in Ägypten eine große Rolle bei Hochzeiten. Früher wurde die Braut mit einer zeffah al-arusah (Brautprozession) zum Haus ihres Bräutigams gebracht. Susan Grove Hess schreibt, dass vermutlich die Tänzerin mit dem Leuchter den Weg erhellte, da es in früherer Zeit keine Elektrizität gab. Außerdem konnte so jeder sehen, dass hier eine Hochzeit stattfindet.
Sie vermutet auch, dass Badia Masabni den Raqs Shamadan auf die Bühne brachte und berichtet, dass 1926 eine amerikanische Journalistin über eine Shamadan-Tänzerin, namens Fatima einen Artikel schrieb.

Es werden aber noch andere Vermutungen angestellt:
Shoufiqa al Koptiyyah soll diesen Tanz kreiert haben und ihre Schülerin Zouba al Klobatiyyah sei die erste gewesen, die mit dem Leuchter in den Spagat ging. (So ist es auch bis heute in Ägypten lediglich noch üblich beim Leuchtertanz auf dem Boden zu tanzen).
Von diesen beiden Tänzerinnen hat auch die Großmutter Nadia Hamdis den Tanz erlernt und diese wiederum gilt heute als eine der großen Tänzerinnen.
1984 nahm eine amerikanische Tänzerin, im Rahmen einer Tanztour durch Ägypten, Unterricht bei Nadia Hamdi, seither soll sich der Umsatz von Leuchtern in Amerika vervielfacht haben.

Die Leuchter haben sich in diesem Jahrhundert verändert und sind heutzutage doch etwas leichter geworden: es werden zwei - oder dreistöckige angeboten, verzierte und einfache, ägyptische oder westliche Ware in unterschiedlichen Qualitäten und zu Preisen von ca. 150 -500 DM.
Der Raqs Shamadan wird zu klassischer orientalischer Musik getanzt (nicht zu modernem Pop!). Gutes Ausbalancieren in der Achse ist enorm wichtig, Hals und Brustbereich müssen ganz ruhig bleiben, um so den Leuchter auf dem Kopf in Balance zu halten.

Leuchtertanz Shamadan

Quellen: Meissoun, Nabila Shams El Din, Esmeray

Buch: "Spektrum Orientalischer Tanz" von Nabila Shams El Din

Spektrum Orientalischer Tanz

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