Bauchtanz Tipps & Tricks
Saïdi (Stocktanz - Raks Assaya) Saidi
Die Saïdis sind oberägyptische Bauern und Viehhirten,
die von den Städtern gerne als etwas trottelig verspottet
werden.
Saïdi ist auch der Name des dort populären Rhythmus,
der meist von der Mizmar begleitet wird.
Bei uns meint man mit Saïdi meist den Stocktanz. Er stammt
ursprünglich von den Männern und würde von den
Frauen übernommen, die mit einem kleinen glitzernden Stöckchen
quasi die Machos parodieren.
Der Stock wird geschwungen und gedreht, auf den Boden geschlagen
usw.
Beim Tanz ohne Stock werden die Arme meist gehalten, als ob man
einen Stock hätte. Also einfache Armbewegungen. Der Tanz
hat auch etwas locker, erdiges an sich.
(Meissoun)
Saidi
„Saidi“ bedeutet „oberägyptisch“
und leitet sich von „Said“ ab, dem Namen für
die südliche Region Ägyptens, für Oberägypten.
(Hier finden sich die berühmten Sehenswürdigkeiten
des alten Ägyptens, wie z.B. das Tal der Könige. Die
größte Stadt Oberägyptens ist Assiut.)
Der Begriff „Saidi“ bezeichnet in der orientalischen
Tanzszene sowohl die tänzerische Folklore dieser Region,
als auch einen, in der orientalischen Musik oft verwendeten 4/4-Rhythmus.
Dieser Rhythmus, auch „Makloub“ genannt, was „umgekehrt“
bedeutet, wird folgendermaßen gespielt:
Dum Tak ke Tak Dum Dum Tak ke Tak
Oder: Dum Tak Dum Dum Tak
Es gibt noch einige andere Varianten (z.B. eine Version, bei
der statt einem Dum am Anfang gleich zwei Dum gespielt werden),
aber was immer bleibt und woran Orientierung möglich ist,
ist der Doppelschlag Dum Dum in der Mitte. Hier kommt auch der
Sinn der Bezeichnung „Makloub“ zutage, denn der Rhythmus
„Masmoudi Saghir“ (auch „kleiner Masmoudi“
oder „Baladi“ genannt) wird genau umgekehrt gespielt.
Typische Instrumente in der Saidi-Musik sind: Tabla-Baladi (eine
grosse Trommel zum Umhängen), Mizmar (eine Schalmei), Rababa
(Spiessgeige).
Einige Informationen über die tänzerische Folklore
Oberägyptens:
als besonders typisch für Saidi gilt der Tanz mit dem Stock.
Hierzu muss angemerkt werden, dass es überlieferte Tänze
nur für Männer, z.B. Raks Tahtieb (einen Kampftanz),
gibt. Die Bewohner des „Said“ gelten als sehr verschlossen
und konservativ und aus diesem Grund gab es keine öffentlichen
Vorführungen von Tänzen der Saidi-Frauen und somit auch
keine Überlieferungen.
Saidi-Frauentänze sind also eine theoretische Konstruktion,
meist von Ghawazee-Tänzen abgeleitet. Die Ghawazee sind ein
Stamm von Tänzerinnen und Musikern in Ägypten, die oft
als Zigeuner bezeichnet werden, was aber nicht ganz richtig ist.
Jedenfalls waren die Ghawazee-Frauen die öffentlich auftretenden
Tänzerinnen, die von Fest zu Fest zogen und dort das tanzten,
was das Volk sehen wollte, nämlich einen Mischmasch aus verschiedenen
Regionen Ägyptens.
Einige typische Bewegungen dieser Tänze, die mit oder ohne
Stock (gerne auch mit Zimbeln) zum Saidi-Rhythmus getanzt werden
können, zähle ich hier auf, wobei dieses Skript keinen
Anspruch auf Vollständigkeit erhebt!
Einige typische Saidi-Bewegungen:
- seitliches Schubsen (doppelter seitlicher Hüftakzent)
nach beiden Seiten (typische Armhaltung: einen Arm anwinkeln,
Hand im Nacken, andere Hand auf der arbeitenden Hüftseite
aufgestützt)
- Hüfttwist oder Hüftpendel (auch Uhrwerkshimmie),
dabei tiefer als sonst in die Knie gehen (Hände betonen
hinter dem Körper die Wölbung der Pobacken)
- Sitztwist und Marokkanischer Hüftschwung (beides Bewegungen,
in welchen die Twist-Bewegung vorkommt)
- Siwa-Schritt (auch Pferdchen- oder Tigerschritt genannt),
hierbei den Körper diagonal drehen, das vom Publikum abgewandte
Bein ist etwas weiter vorne als das andere und auf dem flachen
Fuß, das dem Publikum zugewandte Bein ist etwas weiter
hinten und auf dem Fußballen. Dann den Po (auf der dem
Publikum zugewandten Seite) nach oben drücken und wieder
senken (eine Art rhythmisches Hinken)
- eine Hagalla-Variante (auch Entengang), bei der der Po wechselseitig
nach hinten geschoben wird
- lockere, tief in den Knien getanzte Shimmies
- Saidi-Hüpfer
- Step-und-Hop: Hüpfer auf einem Bein, anderes Bein anwinkeln,
der Unterschenkel kreuzt dabei das „Hüpfbein“,
Fußspitzen zeigen locker nach unten (keine angewinkelten
„Häkelnadelfüße“, aber auch nicht
strecken), zwischen den Hüpfern können Schritte oder
Drehungen eingebaut werden (Arme und Hände wie beim seitlichen
Schubsen)
- Saidi-Hüpfer: wechselseitige diagonale Drehung des gesamten
Körpers in Verbindung mit Hüpfern (wird häufig
zur Eröffnung von Saidi-Tanz eingesetzt)
Zur Handhabung des Stockes:
Der Stock fungiert im Frauentanz als stellvertretend für
den Mann, ist also ein Phallussymbol!
Frauen-Stocktanz sollte spielerisch und kokett sein und keine
kämpferischen Elemente enthalten. In Ägypten nehmen
die Tänzerinnen den Stock oft nur für kurze Zeit und
legen ihn dann wieder weg. Zur Frage, ob der Stock eine Krücke
haben soll oder nicht: als Solistin kann man es selbst entscheiden,
ob mit oder ohne (im Baladi-Stocktanz eher mit), jedoch sollten
in Gruppen-Stocktänzen keine Stöcke mit Krücke
verwendet werden. Bei Männer-Stocktänzen ebenfalls grundsätzlich
ohne Krücke!
- Beim Wirbeln mit dem Stock diesen immer fest zwischen Daumen
und Zeigefinger klemmen und immer nach vorne drehen
- Bootfahren
- Betonen der verschiedenen Hüftbewegungen durch Akzente
mit dem Stock oder Betonen der Bewegungen dadurch, dass mit
dem Stock ein Rahmen für sie gebildet wird
- Stock nicht auf den Boden aufstoßen
- Wenn der Stock eine Krücke hat, nicht als „Spazierstock“
benützen, also nicht die Hand auf der Krücke aufstützen
Kleidung beim Saidi:
- geschlossenes Kleid, etwas weiter oder auch körpernah
mit Ärmeln (Galabia), oft gestreift oder mit Blumenmuster
- Haare immer bedecken durch ein lang über den Rücken
fallendes Kopftuch, welches häufig mit Münzen dekoriert
ist, auch am Kopftuch angenähte Ohrringe sind typisch
- Kirdan-Halsschmuck (ein Schmuck der in allen ägyptischen
Folklore-Arten zu finden ist, nämlich Halbmonde, die immer
kleiner werden)
- auch Assiut-Kleider sind typisch, aber mittlerweile selten
(es sind die schönen, mit Silber durchwirkten Gewänder
gemeint, auch „Talli“-Kleid genannt)
- ebenfalls typisch ist ein Fransengürtel auf dem Kleid,
der dann z.B. die Twist-Bewegungen sehr gut zur Geltung bringt
Last but not least:
Da uns der Saidi-Rhythmus auch im Raks Sharki oft begegnet, können
wir die typischen Saidi-Bewegungen (nicht ganz so “derb”
getanzt) natürlich auch im zweiteiligen Kostüm tanzen,
allerdings lieber nicht mit Stock!
(Bambi Sahab)

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