Bauchtanz Auskunft Sibel Nefa

Bauchtanz Tipps & Tricks

Khaleegy (Khaliji) / Raks Na'ashat (Neshat, Nasha'ar) / Saudi / Golftanz / Samri / Haartanz.

Golftanz, Saudi, Haartanz

Wie ihr seht, ein Tanz mit vielen Namen. Genauso viele Geschichten gibt es über diesen Tanz.

z.B.: Der Tanz steht in Verbindung mit der Perlentaucherei an der Golfküste. Die Haare werden geworfen, um die Wasserpflanzen zu imitieren, die sich im Meer wiegen. Die Hand wird an die Nase gelegt, so wie die Perltaucher die Nasenlöcher schließen, wenn sie ins Wasser springen. Das Kleid und der Körper werden wie die Wellen bewegt.

Oder: Nach Auskunft von Hassan Khalil ist der Haartanz ein Tanz, bei dem die Braut zum ersten Mal unverschleiert für ihren Bräutigam tanzt. Sie zeigt ihm ihre langen Haare, was bedeuten soll:
"Sieh mal wie gut ich ernährt bin, mein Haar ist dicht, lang und schön. Kannst du mich auch so gut ernähren?". Die Braut hat übrigens ein Mitspracherecht bei der Wahl des Bräutigams. Gefällt er ihr nicht, so zeigt ihr Finger am Ende des Tanzes nach unten; möchte sie ihn, so zeigt er nach oben.
So ist zumindest die Bühnenfassung. Ob ein Mann bei der Sittenstrenge dieser Region seine Braut in jedem Fall vor der Hochzeit ohne Schleier zu sehen bekommt, ist allerdings fraglich.

Die Geschichte mit dem imitieren von Wasserpflanzen wird ebenso bestritten, wie die Tatsache, dass jemand (in der Vergangenheit) seine Braut vor der Hochzeit ohne Kopfbedeckung gesehen hat.
Der Tanz steht zwar in Verbindung mit der Perlentaucherei, diese wurde jedoch nur überwiegend in Bahrain ausgeübt. Hier gibt es regionale Veränderungen des Tanzes und vor allem der Musik!

Ich glaube, ich habe noch nie zu einem Tanz so viele verschiedene Geschichten gehört, um Entstehung oder einzelne Bewegungen zu erklären! Ich erzähle in den Workshops jeweils alle Versionen und lass den Frauen dann die Wahl, welche ihnen am besten gefällt.

Die Araber im Golf (Kuwait, Katar) nennen den Tanz Raqs Samri, in Saudi Arabien Raqs Khaliji, in den Emiraten wird er Raqs Na'ashat genannt. Die Saudis sagen, der Tanz komme ursprünglich aus der Golfregion, darum bezeichnen sie ihn als Raqs Khaliji, also Tanz vom Golf. Omanis sehen den Tanz nicht als Teil ihrer Kultur.

An Festen wie Hochzeiten oder Frauen-Partys tanzen die jungen Mädchen in der Gruppe. (Offensichtlich kommt der Tanz aber langsam aus der Mode.) Dazu werden überlange, weite Gewänder getragen. Das Unterkleid ist eine einfach, langärmelige Galabeya oder das Partykleid, (Anmerkung: Das Wort Galabeya wird eigentlich Ägypten zugeordnet und hat im Golf einen "Hausmädchen/Dienstboten" Charakter. D.h. man sollte keine ägyptischen Worte benutzen - zumal diese vor den ägyptischen Gastarbeitern auch nicht bekannt waren. Man spricht von einer Tischtasche (für Männer) bei Frauen von "Thoub" - Kleid! Im Irak - der Tanz ist auch im Süden des Irak üblich (Hewa) bezeichnet man an Haus-Schlafgewand für Männlein und Weiblein als Tischtasche.)
darüber das lange, reich bestickte Oberkleid mit weitem Armausschnitt. Dieses spezielle Kleid wird nur für den Tanz benutzt, die Frauen ziehen es erst an, wenn sie am Fest sind. Es wird aus Seide, Polyester Chiffon oder Rayon in leuchtenden Farben (meist in Indien) hergestellt und am Brustteil und an den Säumen mit (maschinellen) Stickereien versehen. Manche sind auch mit goldenen Pailletten getupft. Die Kleider müssen lang genug sein, um dem Boden nachzuschleifen.

Die traditionelle Version des Tanzes ist eher gemächlich, weniger lebendig, als was man bei uns gemeinhin auf der Bühne sieht (Unterschied Volkstanz - Folklore). Aber natürlich ändert sich auch ein Volkstanz in seiner ursprünglichen Umgebung.
Das Schönheitsideal der Golfregion sind weiche lange, schwarze Haare. Sie spielen darum beim Khaligi eine entscheidende Rolle. Sie werden durch die Kopfbewegungen schön zur Geltung gebracht und fliegen mitunter regelrecht herum (aus diesem Grund wird der Khaligi im Westen auch öfter als Haartanz bezeichnet).
Die Frauen der Golfregion leben sehr von der Außenwelt abgeschottet und dürfen sich außerhalb des Hauses und der Familie nur verschleiert zeigen.
Die Bewohner der Golfregion gehören zum Volk der Beduinen, sie sind stolz und halten sich sehr gerade. Der Kopf, und dadurch auch die Nase, ist erhoben - was etwas wie Arroganz vermittelt. Entsprechend ist auch die Tanzhaltung sehr gerade und würdevoll.

Gemäß der Sitte tanzen Männer und Frauen getrennt.
Schrittfolgen von Laufen nach vorn, nach hinten und seitlich herrschen vor. Den Grundschritt des Tanzes könnte man auch als "Holzbeinschritt" bezeichnen. Der rechte Fuß wird ganz aufgesetzt, er ist der "Schrittmacher"; der linke Fuß hinkt hinterher und wird nur auf dem Ballen belastet.

Die Haltung ist sehr gerade, der Kopf hoch. Die Bewegungen sind stolz und langsam - was bei der Hitze dieser Region auch sehr verständlich ist. Der Tanz wirkt sehr elegant und ästhetisch, manchmal auch etwas verspielt.

Der Tanz von Frauen untereinander wird wesentlich heftiger und lustiger gestaltet.
Weitere charakteristische Merkmale sind hart akzentuierte Brustkorbbewegungen mit Betonung nach unten, Kopfgleiten und -kreisen, Handbewegungen, wie z.B. der Handshimmy und Schulterbewegungen. Aber auch die Hüfte wird manchmal kreisend bewegt und dabei das Kleid etwas nach hinten gezogen, um die Figur zu zeigen.
Ansonsten sind starke Hüftbewegungen in dieser Tanzart nicht zu finden.
Der Kopf wird hin und her geschwungen, quasi ein Halbkreis über den Nacken ausgeführt mit Stop jeweils auf der rechten und der linken Seite, so dass die Haare herumfliegen.

Ein Teil des Tanzes wird auf den Knien getanzt auch hier finden wird das herumschwingen der Haare durch Halbkreis mit dem Kopf aber auch durch vollständiges Kreisen.
Die rechte Hand (die linke ist unrein) wird dabei an den rechten Nasenflügel gelegt.
Musiktempi sind je nach Region und Anlass unterschiedlich - es gibt auch reine Männertänze, die ich allerdings hier schon von Frauen gesehen habe.
Ich beschäftige mich mit dem Thema schon viele Jahre und habe - trotz
familiärer Quellen oft keine oder sehr unzureichende Antworten bekommen.

Der Rhythmus ist sehr mitreißend Teil. Auch bei westlichem Publikum setzt schnell ein mitklatschen und mitwippen ein.

Eigentlich ist es ein Gruppentanz. Deshalb wirkt er auf der Bühne besser, je mehr Frauen in bunten Gewändern zusammenkommen.

Musikbeispiele:
Beaad, eines der bekanntesten Stücke (u.a. auf The Best Belly Dance Album)
Muhammad Abdu (Mohammed Abdou)- Sha'abiyaat #15: Neue Lieder im Folklorestil gespielt von einem kleinen Ensemble
Alle CDs von Rabab
Setrak Sarkisian - "Leyla Leyla" (eines der bekanntesten Lieder dieser Sparte)

Buch: "Spektrum Orientalischer Tanz" von Nabila Shams El Din
Spektrum Orientalischer Tanz