Bauchtanz Auskunft Sibel Nefa
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Bauchtanz Tipps & Tricks

Bodentanz

Bodentanz, eine fantasievolle und abwechslungsreiche Variante des Orientalischen Tanzes wird häufig etwas „stiefmütterlich“ behandelt. Er steht im Ruf unanständig, anstrengend und sogar ungesund zu sein, doch auch hier gilt: alles zur rechten Zeit, im rechten Maß und am rechten Ort! Sicher gibt es etliche Auftritts-Situationen, bei denen der Bodentanz fehl am Platz wäre (z.B. wenn das Publikum um die Tänzerin herumsteht und auf sie herunter sieht), auf der anderen Seite können geschickt eingesetzte Boden-Parts unseren Tanz unendlich bereichern. Für einige Varianten des Orientalischen Tanzes ist er sogar besonders wichtig, gehört er doch z.B. beim Tanz mit dem Säbel oder dem Kopfleuchter (Shammadan) einfach dazu!

Fazit: mit dem „Unanständigen“ im Bodentanz ist wohl die erotische Komponente gemeint und die ist ja im Orientalischen Tanz einfach essential, egal ob im Stand oder auf dem Boden (erotisch heißt nicht obszön)!

Was die Anstrengung betrifft, ist es einfach eine Frage des Trainings (langsam anfangen und vorsichtig steigern) und ungesund ist der Bodentanz auch nicht, vorausgesetzt, die individuellen Grenzen der körperlichen Belastbarkeit werden respektiert (übrigens finden sich Elemente, die im Bodentanz getanzt werden auch im Yoga).

Im Folgenden möchte ich nun einen Überblick geben, über die Möglichkeiten, auf dem Boden sitzend, kniend oder liegend zu tanzen:

Aus dem Stand auf den Boden gelangen durch:

  1. Hüftachten oder Hüftkreise
  2. Mayas (stehende Acht nach unten)
  3. Dina-Kreise (Ausfallschritt zur Seite, ganzes Gewicht auf dem Standbein, Hüftkreise nach hinten, dabei immer tiefer in die Knie sinken)
  4. Drehungen, bei denen man immer tiefer in die Knie sinkt

Vorsicht: bitte bei diesen Figuren kein Hohlkreuz machen ... Oberkörper und Becken bleiben aufgerichtet! So tief wie möglich in die Knie sinken, wenn es nicht mehr weitergeht, vorsichtig auf ein Knie herunterkommen. Schöne Arme sind wichtig, damit es elegant und anmutig wirkt!

Bewegungen in kniender Position

Oberkörper aufgerichtet, Arme entweder in ausdrucksvollen Posen oder schönen Bewegungen

  1. Beckenkreis (mit Spannung, d.h. mit geschlossenem Beckenboden oder auch lockere Kreise mit offenem Beckenboden, auch Tellerkreise sind möglich)
  2. Hüftachten (nach vorne oder hinten, mit einseitiger Betonung oder gleichmäßig)
  3. Mayas oder Gush (stehende Achten nach unten oder nach oben)
  4. Shimmies (Vibrationsshimmies, Pendelshimmies)
  5. Beckenwelle
  6. Seitliche Hüftakzente
  7. « Herumschwingen » (Halbkreise mit dem Becken nach vorne oder nach hinten)
  8. Beckenkippen
  9. Hipdrops oder Hiplifts (dabei ein Bein aufgestellt)
  10. Einseitige Hüftkreise (dabei ein Bein aufstellen)

Posen und Special-Effects

  1. Kleopatra (mit und ohne Hüftachten, Kreise oder Wellen)
  2. Kniesitz (mit und ohne dramatischen Schwung)
  3. Backbents (gerade oder rund)
  4. Bauchwellen (z.B. in Rückenlage mit gekreuzten Beinen)
  5. Liegen auf dem Bauch und dabei mit den Beinen schaukeln
  6. Wadenshimmie
  7. Rückenbrücke
  8. Oberkörperschwingen

Raumgreifende Bewegungen

  1. Berber-Knee-Walks
  2. Vor-Rück (abwechselnd Fersensitz und gestrecktes Bein)
  3. Fisch-Rolle
  4. Umsetz-Drehung
  5. Drehung durch Schwungholen mit dem Bein

Arme und Oberkörper

Einsatz sämtlicher Armhaltungen und Posen, die auch im Stand möglich sind. Hier einige für den Tanz am Boden besonders wichtige:

  1. Samia-Gamal-Arme
  2. Arabisch-Andalusische Arme
  3. Schlangenarme
  4. Quirlarme
  5. Handwellen und Handkreise

Bewegungen des Oberkörpers wie:

  1. Kreise
  2. Achten
  3. Brustkorbverschieben
  4. Bruskorbakzente
  5. Oberkörperwellen

Und immer auf aufrechte und würdevolle Haltung achten!

Vom Boden wieder in den Stand gelangen durch:

1. Hipdrops, Hiplifts, einseitige Hüftkreise bei denen jeweils ein Bein aufgestellt ist. Zum Aufstehen das Gewicht auf dieses Bein geben, anderes Bein nachziehen, nach oben kommen, dabei schöne Armbewegungen

Es wäre auch möglich, den Tanz mit einer schönen Boden-Pose zu beenden, z.B. Kniesitz mit dramatischem Schwung, und sich erst danach wieder aufzurichten!

Musikauswahl für den Bodentanz

In jeder klassischen Tanzroutine kommt mindestens ein Taqsim vor. Als Taqsim wird die Soloimprovisation eines einzelnen Melodieinstrumentes bezeichnet, z.B. der Oud (Kurzhalslaute), der Nai (Flöte), des Qanun (Zither) oder auch des Akkordeon. Manchmal wird das Soloinstrument auch rhythmisch begleitet, entweder durch die Tabla oder auch durch Reqq (Schellentrommel). Als Rhythmus steht dann meist der Chiftitelli im Hintergrund. Die Musik für Boden-Parts sollte eher ruhig sein, je nach Geschmack mit mystischen oder dramatischen Elementen.

Beim Tanz mit dem Shammadan kann die Musik manchmal recht flott und fröhlich sein, wird er doch traditionell in Kairo zu Hochzeiten getanzt.

Einsatzmöglichkeiten des Bodentanzes

Entweder in einer klassischen Tanzroutine während des Taqsim oder auch zu einem speziell für den Bodentanz ausgewählten, etwas längeren Stück, welches auch mal etwas moderner sein darf.

Beim Tanz mit dem Säbel, mit Handlichtern, dem Shammadan oder einem Tablett ist ein Boden-Part eigentlich fast unentbehrlich!

Kostümauswahl für Bodentanz

Das Kostüm für Boden-Parts sollte den Tanz nicht behindern (enge Röcke, lange Fransen etc.), es sollte den Körper und die Bewegungen vorteilhaft betonen, aber nicht zu freizügig sein (hochgeschlitzte Röcke und Backbents, bei denen das Publikum zwischen die geöffneten Beine blicken kann, sind ziemlich daneben!).

Ich habe gute Erfahrungen mit langen, seitlich geschlitzten Kleidern, Pumphosen mit oder ohne Rock darüber und auch mit einem Hosenanzug gemacht.

Beim Säbeltanz dunkle Farben tragen und möglichst nicht bauchfrei tanzen, beim Tanz mit Handlichtern kann die mystische Komponente unterstrichen werden. Raks e Shammadan (Tanz mit Kopfleuchter) in langen Kleidern in leuchtenden, fröhlichen Farben.