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Baladi - Balady

Das Wort Baladi bedeutet „vom Land kommend“, „ländlich“ oder auch „mein Land“. Baladi ist also nicht primär als Bezeichnung für den Tanzstil gedacht, sondern definiert in Ägypten ein Lebensgefühl, eine bestimmt Art zu gehen, zu stehen, zu sprechen, zu fühlen, sich zu kleiden ... und letztendlich natürlich auch zu tanzen!
Der Begriff Baladi kann als Schimpfwort im Sinne von „ordinär sein“ oder auch als Kompliment, z.B. für eine Tänzerin im Hinblick auf die Verinnerlichung des ägyptischen Tanzausdrucks, gemeint sein.
Lesetipp: „Beledy-Woman of Cairo“ von Evelyn Early
Als Bezeichnung für den Tanzstil erinnert es uns daran, dass Baladi verstädterte Folklore ist, also das, was aus den Stilen der vom Land in die Stadt (Kairo) kommenden Bevölkerung wurde, wie sich also die „mitgebrachten“ Tanzstile durch die Einflüsse in der Stadt verändert und weiterentwickelt haben.

Beim Baladi, DER typisch ägyptischen Art zu tanzen und „Mutter des Raqs Sharqi“, des Klassischen Orientalischen Tanzes, kommen alte weibliche Kräfte, urweibliche Archetypen zum Ausdruck.
Die Frau ist die Verkörperung der Sinnlichkeit in allen Nuancen zwischen Kindfrau und Femme Fatal ... sie selbst scheint daran jedoch völlig unschuldig zu sein ... ja was kann sie denn dafür, dass sie so erotisch ist?!?

Ursprünglich wurde Baladi von den Awalim (Singular: Alma, auch Almeh), die das städtische Pendant zu den Ghawazee (Singular: Ghaziya) darstellten, getanzt.
Ein Beispiel dafür ist z.B. Nazla Al Adel (die Tänzerin von deren Leben der Film „Die Königin der Mohammed-Ali-Strasse“ berichtet), die eine Alma war und auch Nadia Hamdi stammt aus einer solchen Familie.

Baladi-Musik kann recht unterschiedlich sein: da gibt es schnellere und langsamere Stücke, Melancholisches wechselt mit Stücken voller Lebenslust, mal mit Gesang, mal ohne.
Es gibt mehrere Rhythmen zu denen im Baladi getanzt wird, z.B. Maqsoum, Masmoudi Saghir (der deshalb oft als Baladi-Rhythmus bezeichnet wird) oder Saidi (Baladi kann Saidi sein, jedoch muss Saidi nicht Baladi sein). Wichtig wären auch noch Tet (Melodie mit Takt, z.B. als Frage und Antwortspiel zwischen Akkordeon und Tabla) und der langsame Teil, das Herz des Baladi, welcher als Awadi bezeichnet wird.

Im Baladi-Tanz werden erdige Bewegungen mit einschmeichelnder Leichtigkeit getanzt; Bauch und Hüften sind immer in Bewegung, selbst beim Grundschritt kontrahiert die Bauchmuskulatur. Die Baladi-Tänzerin ist leicht auf den Füßen. („Oriental Woman may be fat but their lightness is a challenge and provocation for thin woman“, Zitat Nelly Mazloum).
Passend zur Musik wechselt die Tänzerin zwischen:

  • langsam, in sich gekehrt und
  • schnell, Kontaktaufnahme zum Publikum

Einige typische Bewegungen:
Ausruhschritt, Baladi-Basic-Step, Baladi-Rolle, Hebeschritt, Jewel, Kipp-Kreis, Pony-Step ...
... im Grunde können , ganz abgesehen von den eben genannten „speziellen“ Bewegungen, viele typische Bewegungen des Orientalischen Tanzes eingesetzt werden wie z.B. Beckenacht, Beckenkreis, Grundschritt oder Hipdrop. Der „kleine“ Unterschied ob eine Bewegung zu einer Baladi-Bewegung wird - oder eben nicht - , liegt im selbstverständlichen Einsatz von Bauch- und Beckenbodenmuskulatur!
Und die Bedeutung der Arme: der Tanz ist ein Kunstwerk und die Arme sind der Rahmen!
Typische Requisiten: natürlich die Melaya, Baladi mit Stock gibt es auch und – was oft vergessen wird – der Shamadan ist ein typisches Baladi-Requisit und die Zimbeln dürfen gerne auch ab und zu zum Einsatz kommen!

Musiktipps:
* „Best of Adaweia“ (Ahmed Adaweia ist DER Baladi-Sänger und wird auch in den übrigen Ländern des Maghreb sehr geschätzt) * „The Queen of Baladi – Fatme Serhan“ (DIE Baladi-Sängerin) * „Exotic Balady – Egyptian Belly Dance by Sami Aly“ * “Delta Festival Vol. 2” * “Saher el Accordeon – Hasan Abou el Seoud” … und so manches Awadi-Stück findet man auf „ganz normalen“ Sharqi-CD´s, z.B. auf „Oriental Fantasy Vol. 2“ oder „The Best of Ya Salaam“ aus der CD-Reihe von Beata & Horacio oder auf „Wash Ya Wash Vol. 1 – Yousry Sharif & Raqia Hassan“

Von
Bambi Sahab

Baladi - Balady

Bedeutung: "Mein Land, mein Volk".

Es gibt einen Baladi-Rhythmus, eine Baladi-Suppe....
Der Begriff Baladi allein sagt also eigentlich alles oder nichts.
So wie wir ihn benutzen, meinen wir damit den folkloristischen Tanzstil Kairos, quasi die Strassen-Version des Raks Sharki. Die Bewegungen sind einfacher, die Arme werden selten über Kopf-Niveau gehoben.