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Sibel
Nefas Humorecke
Bauchtanz
Geschichten der etwas anderen Art
Voll erwischt
Autor: Subaya
E-Mail: katrin.moews@web.de
Homepage:
Mist, wieder mal zu früh an der Bushaltestelle!
Aber wenigstens werde ich ihn diesmal nicht verpassen, und das Warten
stört mich eigentlich auch nicht, schließlich habe ich ja
was, womit ich mir die Zeit vertreiben kann. Also, wie war das gestern
beim Tanzunterricht gewesen, Kamele aufwärts? Na gut, habe ich
zwar so noch nie gemacht, sieht aber enorm gut aus und soll sofort in
mein Repertoire eingegliedert werden.
Dummerweise fühlt es sich bislang aber noch etwas unkoordiniert
an und längst nicht so schön rund wie die vertrauten Abwärts-Kamele.
Guckt jemand? Nö, es ist keiner außer mir an der Bushaltestelle,
und vorbeifahrende Autofahrer haben anderes zu tun als darauf zu achten,
was die junge Frau am Straßenrand für komische Bewegungen
macht. Ich fange also mit kleinen, schüchternen Kamelen an, die
sich noch unauffällig unter meinem Pulli verstecken. Hey, so geht
das, gar nicht schlecht. Fühlt sich besser an. Ich werde mutiger,
die Bewegungen deutlicher.
Vom Bus ist weit und breit nichts zu sehen. Ich mache unauffällig
eine halbe Drehung und "Kamele" in die andere Richtung weiter.
Hm, man kann das sehr hübsch mit Schritten kombinieren. Fühlt
sich immer besser an, die Schritte werden größer, hübsche
Arme dazu, damit das Ganze auch nach was aussieht - und genau in diesem
Moment ertönt hinter mir, wie aus dem Nichts, ein sehr bekanntes
Geräusch. Ich erstarre kurz in der Bewegung, verfalle dann in eine
unauffällige "Ich stehe hier nur so rum und warte" -Pose
und drehe mich vorsichtig um. Tatsächlich, der Bus, na so eine
Überraschung. Den habe ich gar nicht kommen hören! Aber dass
er nicht vom Himmel gefallen ist, sondern tatsächlich die lange
gerade Strecke über die ganze Kreuzung gefahren ist, sehe ich an
den Gesichtern der Fahrgäste, die mich teils befremdet, teils höchst
amüsiert mustern. Schluck! Was mache ich denn jetzt? So tun, als
ob ich auf die andere Linie warten würde?! Ach was, Blödsinn,
mir doch egal!
Mit der vollen Würde der Königin des Tanzparketts gehe ich
auf die sich öffnende Tür zu und steige in den Bus. Der Busfahrer
grinst von einem Ohr zum anderen, als ich ihm mein Studententicket vor
die Nase halte.
"Was war das denn für ein Tanz?" fragt er und zwinkert
mir zu.
"Das war Bauchtanz", erwidere ich freundlich lächelnd
und mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre Tanzen an Bushaltestellen
das Normalste der Welt für mich.
"Das sah aber schön aus!" sagt der Busfahrer.
Hm! Dann war es vielleicht doch nicht ganz so schlimm, dass es alle
gesehen haben, oder? Ich lächle dem Busfahrer noch mal zu, durchquere
so würdevoll und beiläufig wie möglich den Bus und suche
mir einen Platz, auf dem ich niemandem ins Gesicht schauen muss.
Meinen ersten richtig öffentlichen Auftritt hatte ich mir eigentlich
anders vorgestellt. Na ja, wenigstens habe ich mich nicht blamiert -
oder doch nur ein ganz kleines Bisschen!... :-)
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